Von der Frankensiedlung zur Hessentagsstadt

Die Rüsselsheimer Geschichte vom 6. Jahrhundert bis zur Gegenwart

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Das prägendste Datum in der Geschichte von Rüsselsheim am Main ist sicherlich 1862 – das Jahr, in dem Adam Opel seine Fabrik gründete, die der Stadt rasantes Wachstum und internationale Bekanntheit bescheren sollte.

Das Zusammenleben auf dem heutigen Stadtgebiet begann allerdings schon weitaus früher. Werkzeug- und andere Funde deuten darauf hin, dass bereits vor ungefähr 13.000 Jahren Menschen hier umherstreiften und jagten. Auch aus der römischen Zeit wurden verschiedene Relikte entdeckt.

6. Jahrhundert: Frankensiedlung Rucilesheim

Als erster Vorläufer der Stadt Rüsselsheim entstand im 6. Jahrhundert eine fränkische Siedlung, die zuerst unter dem Namen "Rucilesheim" oder „Rucilensheim“ im Lorscher Reichs-Urbar erwähnt wurde. Über Jahrhunderte waren die hier lebenden Bauern zumeist Leibeigene der verschiedenen weltlichen und kirchlichen Herren, die ihr Lehen vom König erhalten hatten. 1399 wird ein "Festes Haus" der Grafen von Katzenelnbogen erwähnt. Die Städte Mainz und Frankfurt protestieren damals gegen die vermeintliche Zollstätte. Die Fundamente dieses Gebäudes befinden sich im Innenhof der Rüsselsheimer Festung.

1437 Festung Rüsselsheim

Ab 1437 entsteht die Festung, nachdem Kaiser Sigismund den Grafen von Katzenelnbogen das Privileg für den Bau einer Burg erteilt hat. Mitfinanziert wird das Bauwerk durch Abgaben der Einwohner. Schon damals erhielt der Landesherr die Option, Rüsselsheim zur Stadt zu erheben, verfolgte diese jedoch nicht weiter. Erst ab 1686 wird das Marktrecht als eines der Kriterien für den Status als Stadt erneuert. Die Festung wird gut 200 Jahre nach ihrer Errichtung und dem beständigen Ausbau ihrer Verteidigungsanlagen geschleift – 1547, nach der Niederlage Landgraf Philipps des Großmütigen von Hessen im Schmalkaldischen Krieg. 1479 war die Burg als Erbe an Hessen gefallen, wurde dadurch später im Zuge der Reformation auch evangelisch. 1688 wurde die im Dreißigjährigen Krieg noch als uneinnehmbar geltende Festung endgültig gesprengt, durch französische Truppen nach dem verlorenen Pfälzischen Erbfolgekrieg.

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Start ins Industriezeitalter

Im 19. Jahrhundert begann auch in Rüsselsheim die sogenannte Industrielle Revolution. Mehrere Manufakturen und Fabriken entstanden. Die Bevölkerung wuchs stark an. 1832 wird die Stadt in den Kreis Groß-Gerau eingegliedert. Vom bereits lange vorher bestehenden jüdischen Gemeindeleben in Rüsselsheim zeugt die Einweihung einer neuen Synagoge im Jahr 1845. Im Revolutionsjahr 1848 und danach war auch hierzulande die verstärkte Gründung von Vereinen zu verzeichnen. Adam Opels Nähmaschinenfabrik war nicht das einzige Unternehmen, welches Rüsselsheim zu Wachstum verhalf: Schon vorher gab es eine Hasenhaarschneiderei, 1861 siedelte sich ein Kokosmattenhersteller an und noch bis 1925 existierte die 1819 gegründete Zichorienfabrik, die ein Kaffeesurrogat produzierte.

1863 erhielt Rüsselsheim seine eigene Station auf der neuen Eisenbahnstrecke Frankfurt-Mainz. Bald darauf verlegte Opel seine Fabrik mit Dampfmaschine an die Bahnlinie. Hier begann er rund 20 Jahre später auch mit der Produktion von Fahrrädern. Das Rüsselsheimer Elektrizitätswerk ging 1898 ans Netz. Erst nach dem Tod Adam Opel wurde 1899 das erste Auto in Rüsselsheim gebaut, nach dem "System Lutzmann" und noch "Motorwagen" genannt. Die Leitung der Firma hatten inzwischen Ehefrau Sophie und die vier Söhne übernommen.

Erster Weltkrieg und Nazizeit

1911 endete das Zeitalter der Nähmaschinenfertigung in Rüsselsheim, ausgelöst von einem verheerenden Großbrand, der mehrere Werkshallen vernichtete. Im Ersten Weltkrieg produzierte Opel unter anderem Flugmotoren. Nach dem Untergang des Kaiserreichs war Rüsselsheim französisch besetzt. Der größte Arbeitgeber der Stadt wurde 1931 vom US-Automobilkonzern General Motors aufgekauft. Während der Reichspogromnacht 1938 wurde auch die Rüsselsheimer Synagoge von Anhängern des Nationalsozialismus verwüstet, die Mitglieder der jüdischen Gemeinde wurden verfolgt, umgebracht oder zur Ausreise gezwungen. Aber es gab auch Widerstand: 1942 wurde Walter Rietig, der als Antifaschist innerhalb der Opelwerke gegen das Hitler-Regime agitierte, in Berlin hingerichtet.

Bei Luftangriffen der Alliierten wurden viele Betriebsanlagen und Teile der Stadt zerstört. Im August 1944 wurden sechs US-Kriegsgefangene bei ihrem Transport durch Rüsselsheim von aufgebrachten Bürgern gejagt und umgebracht. Seit 2004 erinnert in der Grabenstraße, unweit des Bahnhofs, ein Mahnmal an die Lynchmorde. Am 25. März 1945 besetzten amerikanische Truppen die Stadt. Ab September begann mit dem Rüsselsheimer Bürgerrat der Wiederaufbau der Verwaltung.

Eingemeindung umliegender Dörfer

In der Nachkriegszeit wurden mehrere umliegende Dörfer eingemeindet: 1951 Haßloch und 1956 Königstädten. Zuletzt folgte 1970 Bauschheim.

Rüsselsheims Partnerstädte

1961 wurde das französische Evreux zu Rüsselsheims erster Partnerstadt, Rugby (Großbritannien, 1977), Varkaus (Finnland, 1979) und Kecskemét (Ungarn, 1991) kamen hinzu.

2015 Rüsselsheim am Main

Ihren heutigen Namen mit dem Zusatz "am Main" trägt die Stadt offiziell seit 2015.

2017Rüsselsheim wird Hessentagsstadt

2017 fand der 57. Hessentag mit 1,4 Millionen Besucherinnen und Besuchern unter dem Motto "Main Rüsselsheim, unser Hessen" in Rüsselsheim statt – ein Gemeinschaftserlebnis, das Lust auf mehr gemacht und gezeigt hat: Rüsselsheim will und wird weiterhin von sich hören lassen!

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